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Sich in Dankbarkeit üben:
Warum eigentlich?

Mal Hand auf’s Herz: Wie oft sind wir wirklich von ganzem Herzen dankbar? Richtig! Meist nur dann, wenn Dankbarkeit wirklich mehr als angebracht ist. Wenn es komisch wäre in diesem Moment nicht dankbar zu sein oder uns dankbar zu zeigen. Beispielsweise wenn unsere Gebete erhört wurden, Wünsche in Erfüllung gehen oder unsere Sorgen sich in Luft auflösen.

Keine Frage, ich war schon immer ein dankbarer Mensch (wer würde das auch freiwillig nicht über sich selbst behaupten). Dafür habe ich einfach zu viel durchgemacht und erlebt. Aber kennt ihr das? Wenn ihr so richtig pisst seid, das Gefühl habt, dass einfach alles schief läuft und dann kommt einer daher mit dem Spruch „sei doch mal dankbar für das was du hast“? Das ist nicht gerade der beste Zeitpunkt um Stoßgebete von sich zu geben, wie gut man es in seinem 20qm WG-Zimmer hat, wie gepriesen die Nudeln mit Pesto und gesegnet man bei solchen Freunden mit diesen „weisen“ Ratschlägen ist. Nee, das war für mich immer der schlechteste Zeitpunkt um mich für das was ich habe zu bedanken. Aber ich gebe zu diese Aussage „sei doch mal dankbar“ hat mich immer auf den Boden der Tatsachen geholt. Zwar wie ein Kleinkind mit verschränkten Armen und beleidigter Schnute, aber was blieb war der Gedanke „ja, es könnte mir schlechter gehen“

Aktuell liegt das Thema Dankbarkeit wieder voll im Trend. Ähnlich wie das Thema gesunde Ernährung. Es ist nichts dabei, was wir nicht längst wissen. Entsprechend rümpfe ich manchmal die Nase wenn ich mich dem Thema Achtsamkeit und den Übungen dazu widme. Vor allem dann, wenn man es mir als nicht greifbare Lösung, um ein besserer Mensch zu werden verkauft.

Dankbarkeit wird plötzlich heraufbeschworen wie beim Schönheitswettbewerb der Weltfrieden. Es gibt nur diese eine Antwort, es ist DAS Allheilmittel.

Aber ich bin eine Befürworterin Dinge präventiv zu tun, vorbereitet zu sein, für den Fall der Fälle. Ich bewahre gerne einen kühlen Kopf in Krisensituation und davon haben wir alle zur Genüge. Und es hilft mir, sich an die guten Momente zu erinnern, um schlechte Zeiten besser zu überstehen. Ich versuche es zumindest – wenn schon nicht emotional, dann mental mich im Griff zu haben.
Somit ist meine erste Dankbarkeitsübung mehr aus einer Challenge heraus geboren, statt dem wahrhaftigen Wunsch „dankbarer“ zu sein, zu werden oder sich darin wie ein Guru meditativ zu suhlen. Die Idee dahinter ist einfach.

Schreibe täglich einen Satz auf für was du dankbar bist.

Soweit klar. Ein Satz ist ja easy – dauert eine Minute am Abend, wird mir schon was einfallen. 
Am Ende des Tages kam es dann doch vor, dass ich dankbar war für die Nudeln mit Pesto, die ich überglücklich noch im Vorratsschrank gefunden habe. Und ich schwöre, das und Ähnliches ist zu finden bei meinen 365 Dankbarkeitssätzen. Was ich dabei allerdings gelernt habe, ist soviel mehr als nur „dankbar zu sein“. 

Ich lernte die Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu schätzen, mit denen ich so viele dankbare Momente geteilt habe. Was mir am Ende des Tages blieb waren Erinnerungsfragmente, die ich mit der Zeit bewusst(er) wahrgenommen hat. Auch künstlich herbeigeführte Dankbarkeit wie nachts um 2 Uhr im Regen tanzen, um diesen kitschigen Moment voller Glückseligkeit festzuhalten, waren dabei. Was soll’s, es tat gut. Ich war gelegentlich dankbar allein nur den Tag überstanden zu haben. Es hat mich mit stolz erfüllt stark gewesen zu sein. Manchmal ist das alles für dass man dankbar sein kann und darf. Und das ist vollkommen genug. 

Fazit

In meinen Sätzen spiegelte sich mein Leben, meine Gefühle, die kleinen und ganz großen Momente, banale Selbstverständlichkeiten, eine Vielfalt dessen worauf ich Wert legte und eine Sammlung von Erinnerungen. Es half mir mehr im Hier und Jetzt leben, sich bewusst dafür zu entscheiden, das Wesentliche zu genießen oder auch mal sein zu lassen.
Diese eine Frage „für was bin ich heute dankbar“ hat sich erst schleichend, dann ganz bewusst in meinen Alltag geschlichen und sorgte für ein bisschen mehr Frieden, Wohlbefinden und innere Ruhe. Wie? Weil ich mich genau genommen mit mehr als einer Frage beschäftigt habe:

Was hat mich heute mit Freude erfüllt?
Wann habe ich heute gelacht?
In welchem Moment war ich zufrieden?
Was habe ich innerlich gefeiert?
Was hat mich runter gebracht?
Wobei habe ich die Zeit vergessen?

Perfektionistisch wie ich bin hab ich das ein Jahr lang jeden Tag in meinem Kalender dokumentiert – nur um es dann ein Jahr wieder zu vernachlässigen. Ich undankbares Stück. In meinem Erfolgsjournal für dieses Jahr „Ein guter Plan“ ist mir die Übung wieder über den Weg laufen: Liste alle Dinge auf, wofür du derzeit dankbar bist.

Für dieses Jahr habe ich mir fest vorgenommen, wieder 365 Tage lang einen Satz festzuhalten. Ich kann nicht sagen was es ist, was für eine fast schon „magische“ positive Auswirkung diese Übung hat. Es ist halt so. Sei herzlich eingeladen es auszuprobieren. 🙂

Deine YV.ON


Weiterführende Links

  • Dankbarkeitsübungen – Empfehlung aus der Forschung von MyMonk
  • Dankbarkeitsübungen – Details zu den Fakten auf zeitblüten
  • Training für mehr Wohlbefinden – Artikel auf Spiegel Online

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